Rückblick

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"Und es geht doch!" Paraolympicsieger DI Dr. Christoph Etzlstorfer über den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens
Er ist Weltrekordhalter, mehrfacher Weltmeister und Paraolympicsieger in verschiedenen Disziplinen des Rollstuhlsports - die Rede ist von DI Dr. Christoph Etzlstorfer. 1981 erlitt er durch einen Unfall im Schulsport eine Querschnittlähmung, seit 1984 nahm er mit großem Erfolg an zahlreichen großen Wettkämpfen in der Rollstuhl-Leichtathletik teil. In Kooperation mit dem kbw lud die Caritas Servicestelle für Pflegende Angehörige am 13. April zu einem äußerst interessanten Vortag von Etzlstorfer ins Pfarrheim Zwettl ein.
Unter dem Titel "Und es geht doch! Über die Herausforderungen des Lebens" vermittelte Etzlstorfer, dass Sport ein wunderbares Modell für das reale Leben sein kann. "Im Sport, in der Wirtschaft und auch privat unterliegt unser Leben einem ständigen Wandel. Oft können wir die Art und die Geschwindigkeit der Veränderungen bestimmen, manchmal passieren diese aber völlig unvorhersehbar und dramatisch. In diesen Krisen sind wir gefordert, uns damit auseinander zu setzen und zu reagieren. Dafür benötigen wir neben der Akzeptanz der eigenen Schwächen vor allem die Kenntnis und die Konzentration auf die eigenen Stärken." erklärte der vielfache Medaillengewinner.
Neben seinem aktiven Spitzensport ist DI Dr. Christoph Etzlstorfer Assistent am Institut für Organische Chemie an der Johannes Kepler Universität, Trainer von nationalen und internationalen Sportlern im Kraft- und Ausdauerbereich, Obmann des Rollstuhl-Sportclubs heindl OÖ sowie Referent über "Erfolg" und "Umgang mit Krisen" im Sportbereich, in Schulen und in der Wirtschaft.
Sein Weg dahin war durch das Setzen von positiv formulierten, eindeutigen und überprüfbaren Zielen möglich. Nur wer weiß, was er erreichen möchte, unternimmt die Anstrengung, sich dahin auf den Weg zu machen. Manchmal müssen Ziele adaptiert werden, oft ist es kein gradliniger Weg zum Erfolg - aber durch die Zielsetzung(en) bleibt man dran.
Die Frage, was Erfolg ist, kann nur jede/r für sich beantworten. Jeder Mensch hat eine persönliche Vorstellung davon. Für den einen ist es das Bestehen einer Prüfung, für den anderen das Gewinnen eines Tennismatches gegen einen bestimmten Freund oder eine Weltreise. Für alle aber gilt: Erfolg ist das Ergebnis von konsequenter Arbeit. Glück, Talent, Veranlagung, etc. mögen uns helfen - aber ohne etwas für den Erfolg zu tun, funktioniert es nicht. Dabei ist es wichtig, auch für das Erreichte Verantwortung zu übernehmen (Das habe ich gut gemacht. Morgen mache ich weiter) und es nicht als etwas Selbstverständliches anzunehmen. Oftmals neigen wir nämlich dazu, nur für das Scheitern am Erfolg Verantwortung zu übernehmen (ich habe versagt) und das Erreichte als normal oder Glück abzutun.
Krisen gehören zum Leben. Sie werfen uns aus der Bahn. Der Verlauf durch eine Krise ist durch folgende Phasen gekennzeichnet:
- Ursache: jede Krise hat eine Ursache, z.B. Unfall, Krankheit, Tod. Diese Auslöser erzeugt zunächst Schock. Bei Etzlstorfer war im Herbst 1981 ein überdrehter Saltosprung während des Turnunterrichts der Auslöser. Er kam nach 1 ½ Drehung auf der Matte zu liegen und konnte sich nicht mehr bewegen. Mit der Rettung kam er ins Unfallkrankenhaus, dort wurde ein Querschnitt diagnostiziert, d.h. das Rückenmark war im Halswirbelbereich durchtrennt. Die Lähmung von Beinen und Rücken sowie Einschränkungen bei den Händen sind die Folge. Als erste Reaktion auf eine Krise nimmt man sie nicht zur Kenntnis. Auch Etzlstorfer wollte die Einschränkungen nicht wahr haben.
- Aggression: Es folgt eine Phase der Aggression, gegen andere und gegen sich selbst.
- Depression: In der nächsten Phase folgt Niedergeschlagenheit und Selbstmitleid.
- Wendepunkt: Sobald man sich mit der Situation auseinandersetzt, neue Möglichkeiten erkennt, sich neue Ziele setzt, ist der Wendepunkt erreicht. Etzelstorfer musste aufgrund eines gebrochenen Halswirbels nach seinem Unfall 10 Tage lang mit einem Gewicht am Kopf bewegungslos im Bett liegen. Alle drei Stunden wurde er - um das Wundliegen zu vermeiden - um 180° gedreht, d.h. drei Stunden lag er bewegungslos auf dem Rücken und starrte auf die Decke, drei Stunden lag er auf dem Bauch und starrte auf den Boden. Nach 10 Tagen konnte der gebrochene Halswirbel operativ fixiert werden. Damit konnte Etzelstorfer wieder mobilisiert werden. Nach weiteren drei Wochen im Krankenhaus kam Etzelstorfer - nach wie vor völlig bewegungsunfähig - ins Reha Zentrum Bad Häring. Nach einiger Zeit dort kam der Wendepunkt: er akzeptierte, dass er wahrscheinlich nie wieder laufen können würde, er aber lernen konnte, sich mit dem Rollstuhl fortzubewegen.
- Neue Möglichkeiten, neue Ziele: Ab diesem Wendepunkt lernte er, sich im Bett selbständig umzudrehen, alleine vom Bett in den Rollstuhl zu kommen, etc. Nach 4 ½ Monaten konnte er das Rehazentrum verlassen (üblicherweise dauert dieser Prozess 8 Monate und länger). Ende April/Anfang Mai kam er zurück in seine Schulklasse, im darauffolgenden Jahr maturierte er, und erreichte damit eines der Ziele, die er sich bereits vor seinem Unfall gesetzt hatte.
Um Ziele zu erreichen, muss man von der Wichtigkeit der Ziele überzeugt sein. Es braucht grundsätzlich Freude an der Arbeit und Freude an den Ergebnissen. Konsequenz und Disziplin sind ebenso erforderlich, v.a. bei Routineaufgaben, bei denen die Freude am Tun häufig gering ist (wie z.B. beim Zähneputzen - wo man aber weiß, dass es langfristig besser ist, sich durch regelmäßiges Zähneputzen längere Zahnarztsessions durch Disziplin zu ersparen), wie Konzentration und Entspannung sowie Geduld und konstruktives Denken. Dabei soll man seine Einschränkungen akzeptieren, aber seine Fähigkeiten nutzen! Viele wissen, was sie nicht können, kennen also ihre Einschränkungen, jedoch nicht ihre Fähigkeiten. Oft hilft es, mit anderen Menschen darüber zu reden, denn sie sie haben eine andere Sicht und helfen die eigenen Fähigkeiten zu erkennen. Konstruktiv zu denken bedeutet, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sicherlich sind wir immer wieder für andere (mit)verantwortlich, aber zuallererst sind wir für uns selbst verantwortlich, auch wenn es oft bequemer ist, die Verantwortung für sich selbst nicht zu übernehmen (ich bin so arm!). Nur man selbst hat es in der Hand, etwas zu verändern, um die Situation für sich besser zu machen!
Das Resumé dieses äußerst interessanten Vortrags: Erfolg ist, wenn man merkt: Und es geht doch!
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